Knudelbussis am Morgen oder wie hört man im Netz zu?

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Das ist mein Beitrag zu einer Blogparade. Ganz kurz vor knapp habe ich es noch geschafft, daran teilzunehmen.

 

Mein Job ist es ja, Menschen aus ihren chronischen Beschwerden heraus zu helfen und das gelingt nur, indem ich nicht nur ihren Körper optimal unterstütze, sondern auch gemeinsam mit ihnen ihre seelischen und zwischenmenschlichen Blockaden beleuchte und überwinde.

In diesem Zusammenhang stoße ich ganz oft auf das Thema Zuhören. Auch Birgit hat schon darüber geschrieben.
Zuhören ist eine Fähigkeit die gnadenlos unterschätzt, oft sogar ganz vergessen wird.

Ununterbrochen bin ich im Leben dazu aufgefordert, zuzuhören, also auf das Feedback zu reagieren, das ich von allen Seiten bekomme um Hinweise zu bekommen, in welche Richtung ich meine nächsten Schritte setzen soll.

Wie kann ich erwarten, dass mein Körper immer genau so funktioniert, wie ich es mir erwarte, wenn ich seine kleinen und großen Signale nicht einmal wahrnehme oder komplett fehlinterpretiere?

Wie kann ich im Leben erfolgreich sein, wenn ich nicht auf Feedback reagiere und auf deutliche Hinweise, den falschen Weg genommen zu haben, nicht abbiege und anders handle, sondern genau den gleichen Blödsinn einfach noch ein paar Mal wiederhole und mir ein anderes Ergebnis erwarte? Natürlich mit jedem erneuten Versuch ein wenig verbissener, denn es muss doch auf meine Art klappen!

Wie soll ich fruchtbare, tiefgehende Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen, wenn ich nicht bereit bin, mich mit ihrer Welt auseinander zu setzen, sondern nur direkt bei der ersten Begegnung versuche, sie in meine Welt hineinzuziehen, ihnen den Kopf in meine Suppe zu drücken?
Ja, das ist etwas krass ausgedrückt, aber so kommt es mir manchmal vor.

Wie soll ich ein funktionierendes berufliches Netzwerk aufbauen, wenn ich mich nicht für die Personen interessiere, die mich nähren sollen?

Vielleicht sollte ich einmal kurz erklären, was ich eigentlich mit Zuhören meine, denn die Erfahrung zeigt, dass viele das gar nicht wissen.
Mit Zuhören meine ich das Eintauchen in die Welt des anderen. Mich dafür zu interessieren, wie es meinem Gegenüber geht, was er für ein Mensch ist.

Beim Zuhören bin ich ganz Empfänger. Ich nehme einfach wahr.

Die meisten Menschen hören nicht zu, sondern sie interpretieren nur ununterbrochen jedes Wort des anderen in Gedanken und ab dem ersten Halbsatz überhören sie dabei völlig, was der andere überhaupt sagt, weil sie mit der Interpretation mehr als beschäftigt sind.

Sie freuen sich nicht darüber, dass sich ein anderer Mensch ihnen öffnet und eine Menge Vertrauen schenkt.
Sie freuen sich nicht darüber, dass ihnen eine andere Sichtweise gezeigt wird, aus der sie womöglich etwas lernen, ihre Weltsicht erweitern und bereichern könnten.
Nein. Sie warten nur bis der andere endlich fertig ist, damit sie selbst wieder zu Wort kommen und ihn von ihrer Sicht überzeugen können.

Die Welt da draußen ist so unglaublich vielfältig.

Es gibt so viele unterschiedliche Menschen wie Blumen und jeder ist auf seine Art wunderschön. Während wir uns aber an den unterschiedlichen Pflanzen vielleicht grade noch erfreuen können, fällt es uns schwer, Personen als angenehm zu empfinden, wenn sie sich zu stark von uns unterscheiden. Dabei sind das genau die, von denen wir uns am meisten mitnehmen könnten.

Nun, ich wollte ja eigentlich über die Kommunikation in sozialen Netzwerken schreiben. Facebook und Co spiegeln ganz wunderbar diese allgemeinen Gewohnheiten.

Zuhören und echtes Interesse für andere Menschen ist im Web maximal rudimentär vorhanden.

Es zählt nur, die eigenen Interessen schnellstmöglich und in der Regel ganz ohne Vorspiel zu übermitteln. Gelingt es nicht, geht man mit etwas mehr Nachdruck zur Sache und ist ehrlich überrascht, dass es wieder nicht gelingt.

Hier ein paar kurze Beispiele aus den letzten paar Tagen:
In einer Gruppe kommt ein neues Mitglied hinzu, schließt sich ohne nachzufragen einem gerade von anderen Gruppenmitgliedern in Planung befindlichen Projekt an und übernimmt auch gleich unaufgefordert wichtige organisatorische Aufgaben.

Das ist sicher ganz lieb gemeint, doch wenn ich dir das jetzt so erzähle, verstehst du bestimmt, dass sich sämtliche am Projekt beteiligten Mitglieder, die sich untereinander schon länger kannten, einfach nur total überfahren gefühlt haben.
Eigeninitiative ist eine tolle Sache, auch in Gruppen, nur bevor du selbst in einer Gruppe aktiv wirst, zum Beispiel Werbung einstellst, nimm dir die Zeit, die Gruppenregeln genau durchzulesen, dich persönlich vorzustellen und wenigstens ein, zwei Tage das Verhalten der anderen Mitglieder ein wenig zu beobachten.
Was ist hier üblich? Wer kennt sich schon? Wer sind die Keyplayer?
Davon kannst du nur profitieren.

Ein anderes Beispiel:
Ich bekomme am Tag ca. 50 Freundschaftsanfragen von Männern und nehme mir die Zeit, jedem eine persönliche Nachricht zu schreiben, in der steht, dass ich Facebook rein beruflich nütze.
Du ahnst nicht, wie viele „Hallo, du bist so schön, wie geht es dir?“-Nachrichten ich trotzdem bekomme.
Heute Morgen um sieben entdecke ich auf nüchternen Magen diese Nachricht von einem Wildfremden:
JUHU …(ړײ).GUTEN MORGEN !
FRISCH AUS DEM BETTCHEN IN´S BAD,DANN
IN DIE KÜCHE ZUR KAFFEEMASCHIENE UND
DIR NUN EINEN SUPER DONNERSTAG WÜNSCHEN.
DIE S☼NNE SCHEINT HEUTE WIEDER FÜR DICH
UND ZAUBERT AUCH DIR FREUDE IN´S GESICHT.
ICH GRÜßE DICH GANZ LIEB UND WÜNSCHE
DIR EINEN WUNDERVOLLEN TAG,AN DEM JEDES VÖGELCHEN FÜR DICH SINGEN MAG.
BUSSI NOCH UND DANN
BIN ICH AUCH GLEICH AUF DEM WEG.
VIELE LIEBE KNUDDELBUSSI´S…..

Puh, das jagt einem doch echte Schauer über den Rücken, oder?
Unnötig zu erwähnen, dass ich von Gruselschauern spreche.
Auch das ist lieb gemeint, aber nein, ich fühle mich dadurch nicht geehrt, ich fühle mich nicht wahrgenommen, weil meine Nachricht nicht gelesen wurde und ich kann nicht verstehen, wie man sich erwarten kann, einen Kontakt zu jemandem aufzubauen, dessen Nachrichten man nicht liest.

Meine Herren, bei einer Dame, die euch so eine Nachricht schickt wie ich, könnt ihr maximal Sympathiepunkte einfahren, wenn ihr ihre Website anschaut und diesbezüglich an irgendein Thema anknüpft.
Vielleicht ist es aber auch eine gute Idee, mal das Profil genauer anzusehen mit einem kleinen Augenmerk auf den Beziehungsstatus und die dort veröffentlichten Fotos. 😉

Wenn mir so etwas passiert, höre ich zu.

Ich stelle mir die Frage, wo ich vielleicht nicht genug zugehört habe, andere mit meinen Bedürfnissen überfahren und ihre übersehen habe. Überprüfe, was ich aus der Situation lernen kann.
Denn, auch wenn es manchmal schmerzt, in Wahrheit kommuniziert man ja immer mit dem Leben über sich selbst, auch wenn die verschiedenen Körper (mal der eigene und mal ein fremder) die Botschaft übermitteln.

Gerade die Weihnachtszeit lädt uns ein, zuzuhören.

Es ist die Zeit der Stille und der inneren Einkehr.
Eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen: Was hat im letzten Jahr gut funktioniert und will beibehalten werden?
Wo kann ich noch dazu lernen und über mich hinauswachsen?
Wie kann ich die Welt und meine Mitmenschen mehr bereichern und damit auch mich selbst?

Ich wünsche dir wundervolle Festtage, alles Liebe, Alexandra

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10 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Liebe Alexandra,
    einfach nur DANKE für diesen wunderbaren Artikel. Ich finde es schön, wie du hier beschreibst was du Tag für Tag vorlebst. Den Tipp zuerst zu beobachten und dann erst aktiv zu werden, finde ich sehr wertvoll, sollte ja im RealLife auch so sein, doch vor allem in den sozialen Netzwerken, wo mir viele Informationen (Mimik, Körpersprache,…) der anderen fehlen, ist es nochmals wichtiger.

    Alles Liebe
    Birgit

    • Ja, du hast absolut recht, liebe Birgit, es ist eine Herausforderung für uns ohne Körpersprache, Stimmlage etc. zu kommunizieren.
      Mir macht es gerade absolut großen Spaß, hier im Netz Ersatz zu finden, denn man kann aus den Profilen und der Art der Menschen zu kommunizieren und auf Kommentare zu reagieren manchmal sogar noch mehr und noch tieferes über sie erfahren, als sie womöglich Preis geben möchten.
      Alles Liebe auch dir und danke für deine Anregung durch die Blogparade

  2. Ja, liebe Alexandra, da spricht wirklich Wahrheit und Erfahrung. Ich erlebe auch immer wieder, jegliche ominösen Anfragen, als Aufforderung für meine Klarheit zu interpretieren und überhaupt nicht in irgendwelche Bälle anzunehmen. Klare Kommunikation! könnte die Überschrift der Erfahrungen in sozialen Netzwerken (FB) für mich in 2014 sein. Insofern: DANKE an alle, die mich dazu aufgefordert haben.
    Dennoch möchte ich an dieser Stelle auch noch mal erwähnen, dass allein die Tatsache, dich Alexandra (und ein paar andere, ich möchte jetzt nicht alle hier nennen) über dieses Netzwerken kennen gelernt zu haben, schon die Reise WERT ist! Vielen Dank für die Klarheit, die du in das Leben der Menschen bringst!
    Stefanie

    • Danke Stefanie, da bin ich total deiner Meinung. Wie auch in meiner Antwort auf Birgits Kommentar schon angeschnitten bin ich absolut der Meinung, dass man übers Netz auch tiefe Kontakte knüpfen kann, wenn man möchte und das ist wunderbar.
      Danke auch dir für dein Sein.

  3. Liebe Alexandra
    ein schöner Artikel! Manchmal frage ich mich, ob die Menschen in den sozialen Netzwerken tatsächlich so sind oder sich nur anders geben. Ich finde beides, wunderbare Menschen, von denen auch inzwischen einige in mein „reales“ Leben gehören und wiederum andere, da schüttel ich erstaunt den Kopf. Wenn du du bist – egal, wo du dich befindest online oder offline – triffst du die richtigen Menschen. Also abgesehen von ein paar Gegebenheit mag ich virtuelle Welt, öffnet sie Türen zu Menschen, die ich sonst nie getroffen hätte.
    Von Herzen liebe Grüße
    Veronika

    • Liebe Veronika,

      da geb ich dir total recht. Ich freue mich auch über die Begegnungen, so unterschiedlich sie auch sind. Und auch wenn mir die im Artikel erwähnte zunächst leichte Morgenübelkeit beschert hat, so war sie doch gleich danach meine Inspiration für einen Blogartikel.
      Doch tatsächlich glaube ich, dass wir alle ein bisschen besser zuhören könnten, ob im Netz oder im „wirklichen Leben“. Da nehm ich mich nicht aus und übe täglich.
      Danke fürs Mitlesen, alles Liebe, Alexandra

  4. Liebe Alexandra!
    Vielen herzlichen Dank für deinen wunderbaren Artikel, vor allem für den Titel 😉
    Danke, ich musste wirklich laut auflachen ob der Knuddelbussis und Schauer, dennoch darf ich Stefanie voll und ganz recht geben, wunderbare Kontake und Verbindungen haben sich über dieses Medium ergeben, die ich weder missen möchte, noch hätte ich sie auf anderem Wege schließen können!
    Alles Liebe, herzliche Grüße,
    Katharina

  5. Für alle die weiterlesen wollen!!!

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