Angst schwächt die Nieren, Zorn schadet der Leber – die Auswirkungen der Emotionen aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Ein Gastartikel von Katharina Ziegelbauer

Wenn du nachforschst, woher deine Beschwerden kommen könnten, möchte ich dich dazu einladen, auch deine Emotionen näher zu betrachten. Bist du jemand, der sich leicht ärgert und vielleicht sogar öfters Wutanfälle hat? Dann könnte das nach TCM auf ein Ungleichgewicht in deiner Leber hindeuten.
Ich zeige dir in diesem Artikel die Zusammenhänge, sodass du deine Symptome besser zuordnen kannst.

Die TCM ist eine ganzheitliche Medizin, die schon seit Tausenden von Jahren weiß, dass auch Gefühle krank machen können, genauso wie eine falsche Ernährung oder klimatische Einflüsse wie Kälte oder Hitze. Das heißt aber nicht, dass du gleich krank wirst, weil du dich einmal ärgerst oder traurig bist. Emotionen können uns nur dann schaden, wenn sie sehr heftig sind und/oder sehr lange andauern. Es geht also um einen ausgewogenen Umgang mit unseren Gefühlen, also sie weder zu verdrängen und zu unterdrücken, noch sich darin zu suhlen. Es lohnt sich für dein Wohlbefinden sehr, wenn du einen Weg findest, wie du Traurigkeit, Ärger und Angst annehmen und ausdrücken kannst, ohne dass sie dir schaden.

Emotionen können Krankheiten hervorrufen, Krankheiten können Emotionen verstärken

Am Beispiel Ärger möchte ich dir zeigen, dass der Einfluss in beide Richtungen geht. Wenn du etwa jemand bist, der sehr leicht in die Luft geht und sich schnell ärgert, könnte das auf Dauer zu Hitze in deiner Leber und Gallenblase führen und so zum Beispiel Augenentzündungen oder Gallensteine (mit)verursachen. Gleichzeitig können ungünstige Ernährungsgewohnheiten die Leber erhitzen und damit erst eine gereizte, aggressive Grundstimmung hervorrufen. Erhitzend auf die Leber wirken etwa zu viele scharfe Gewürze, gegrilltes und frittiertes Fleisch, zu viel Alkohol, Zucker und Weißmehl.

Zuordnung der Emotionen nach den 5 Elementen

Ein Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es die 5 Elemente, vielleicht hast du davon schon mal gehört. Das sind Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Jedem Element ist ein Organpaar zugeordnet, eine Farbe, ein Geschmack, eine Jahreszeit und eben auch eine Emotion. Es gibt noch viel mehr Zuordnungen, aber das sind wohl die wichtigsten.

Klicke hier für einen Überblick über die Zuordnungen nach den 5 Elementen

  1. Holz – Leber/Gallenblase – Ärger, Zorn, Wut

Ist dir schon mal aufgefallen, dass du vor lauter Wut ein rotes Gesicht bekommen hast? Oder dass dir vor Ärger ganz heiß geworden ist? Das ist deshalb, weil diese Emotionen erhitzend wirken. Und sie führen das Qi (unsere Lebensenergie) nach oben, in den Kopfbereich, wo dann auch typische Lebersymptome wie Kopfschmerzen und Bindehautentzündungen auftreten können.

Ärger und Wut beeinflussen besonders die Leber und die Gallenblase. Wenn du also bemerkst, dass du dich sehr oft ärgerst oder Wutanfälle bekommst, schau einmal, wie es deiner Leber geht. Hinweise für ein Ungleichgewicht in der Leber sind zum Beispiel immer wiederkehrende Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Schwindel, hochfrequenter Tinnitus, starke Stimmungsschwankungen, Blähungen und wechselnde Verdauungsbeschwerden, gereizte und rote, trockene Augen, brüchige Nägel oder anfällige Sehnen und Bänder.

Du kannst deiner Leber helfen, indem du einen besseren Umgang mit deinem Zorn und Ärger findest. Dabei kann dir zum Beispiel Achtsamkeit helfen.
In der Ernährung achte auf mehr grünes Gemüse, frische Kräuter, Sprossen und weniger Fleisch, Wurst und Zucker. Lasse Knoblauch und scharfe Gewürze mal eine Zeitlang weg und beobachte, wie es dir damit geht.

Viele Tipps für deine Leber nach TCM findest du in meinem Buch „Eine starke Leber durch richtige Ernährung. Mit 6-Wochen-Entgiftungsprogramm“ (Kneipp-Verlag, im Buchhandel erhältlich).

  1. Feuer – Herz/Dünndarm – Freude, Übererregung, Begierde

Freude stärkt das Herz und den gesamten Körper, ich denke, das hast du sicher schon selber bemerkt. Allerdings kann uns zu viel Freude auch schaden, da sie im Übermaß unsere Lebensenergie zerstreuen kann, unser Qi. Stelle dir vor, dass du mit mehreren Freunden 3 Tage in einer Almhütte eine Party feierst und du rund um die Uhr am Plaudern, Scherzen und Spielen bist. Es ist wunderschön, aber danach bist du sehr wahrscheinlich erschöpft und freust dich auch wieder aufs Alleinsein. Wenn wir mit unserer Freude viel nach außen gehen, nimmt uns das Energie (Qi) weg. Eine länger andauernde Aufregung, auch wenn sie positiv ist, schwächt uns und führt zu einer Hitze im Herzen.

Typische Symptome nach TCM für eine Herz-Hitze sind Herzklopfen bzw. Herzrhythmusstörungen, sehr schnell bzw. sehr viel zu sprechen (Reden ohne Punkt und Komma), Aphten auf der Zunge (entzündete Bläschen), übermäßiges Schwitzen in den Händen und unter den Achseln, Schlafstörungen und eine nervöse, übererregte Grundstimmung.

Wenn du dich hier wiedererkennst, können dir bestimmte Nahrungsmittel helfen, dein Herz zu beruhigen und zu kühlen, etwa rote Beeren, rote Rüben (Bete), Cashews, Maulbeerfrüchte, Eigelb. Sei besonders vorsichtig mit Kaffee und scharfen Gewürzen und achte auf ausreichend Schlaf (lange vor Mitternacht ins Bett gehen).

  1. Erde – Milz/Magen – Grübeln, Sorgen machen, im Kreis denken

Ist dir auch schon einmal etwas „im Magen gelegen“? Oder hast du bemerkt, dass du bei großen Sorgen keine Lust zum Essen hast? Auch hier geht es in beide Richtungen: Wenn du eine starke Tendenz zum Grübeln hast, könnte das einen Milz-Qi-Mangel zeigen, also eine geschwächte Verdauung (die Milz steht in der TCM für unser gesamtes Verdauungssystem und den Stoffwechsel). Ebenso kann das viele „sich Sorgen Machen“ erst dazu führen, dass wir Blähungen und andere Verdauungsprobleme bekommen.

In der TCM sagt man, dass das Grübeln „das Qi verknotet“, die Energie kann also nicht mehr frei fließen und es kommt zu Stagnationen im Körper. Das merkst du etwa an Völlegefühl, Blähungen, Druck im Bauch, breiigem Stuhl oder Verstopfung und allgemein einer trägen Verdauung. Andere Symptome eines Milz-Qi-Mangels sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Müdigkeit, Cellulite, Organsenkungen und Infektanfälligkeit.

Was hilft nach TCM?

Iss regelmäßig und leicht bekömmlich, das heißt weniger Zucker, Weißmehl, Kuhmilch, Käsebrote und Rohkost. Gekochte Gerichte aus Reis, Haferflocken, Polenta, Hirse, Kartoffeln und Gemüse gelten als besonders leicht verdaubar und liefern gleichzeitig viel Qi. Versuche, langsamer als gewohnt zu essen und deine Mahlzeit gut zu kauen. Meide es, dich zu überessen, da das die Stagnation nur verstärkt. Ein frühes Abendessen (nicht später als 19 oder 19.30 Uhr) hilft deiner Verdauung ebenfalls sehr. Ach ja, ganz wichtig: Genuss fördert die Bekömmlichkeit! Iss nur, was dir schmeckt, und genieße es so richtig.

Gerade beim Essen solltest du anstrengende und belastende Gespräche meiden, da diese direkt deiner Verdauung schaden. Unsere Milz muss nämlich nicht nur das Essen verdauen, sondern auch sämtliche andere Eindrücke, weshalb auch Fernsehen und Lesen nicht günstig sind beim Essen.

Und natürlich wäre es für deine Verdauung sehr hilfreich, wenn du mehr im Jetzt lebst und aufhörst, dir ständig Sorgen über die Zukunft zu machen oder über die Vergangenheit nachzugrübeln. Dazu empfehle ich dir das wunderbare Buch „Jetzt“ von Eckhart Tolle.

  1. Metall – Lunge/Dickdarm – Trauer, Melancholie, Traurigkeit

Wenn wir traurig sind, nehmen wir oft automatisch eine leicht gebückte Haltung ein. Der Kopf hängt etwas nach unten und die Schultern sind nach vorne gebeugt. Das wirkt sich auf die Lunge aus, in der TCM sagt man „das Qi versickert nach unten“. Übersetzt heißt das, dass zu viel Traurigkeit uns Lebensenergie raubt. Und Lungenerkrankungen wie Bronchitis oder COPD auslösen kann. Umgekehrt ist bekannt, dass Menschen mit Lungenkrankheiten oft zu einer melancholischen Grundstimmung neigen.

Typische Symptome einer geschwächten Lungenenergie sind immer wiederkehrende Erkältungen mit Husten, Halsschmerzen und Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Bronchitis, Pollenallergie oder Asthma. Außerdem kontrolliert die Lunge nach TCM unsere Haut, das heißt, auch alle Hauterkrankungen zeigen ein Ungleichgewicht der Lunge an.

Erkennst du dich hier wieder? Dann kann dir helfen, mehr weiße Nahrungsmittel zu essen wie Reis, Rettich oder Radieschen, außerdem viele Gemüsesuppen, Eintöpfe und Kompotte sowie sauciges, saftiges Essen. Da die Lunge im 5-Elemente-Kreis das „Kind“ von Milz und Magen ist, achte besonders auf deine Verdauung und iss regelmäßige, gekochte Mahlzeiten. So nährst du über die Milz auch gleich die Lunge mit.

Wenn du das Gefühl hast, alleine mit deiner Traurigkeit nicht zurechtzukommen, suche dir bitte Unterstützung bei einer Psychotherapie, einem Coaching oder in einer Achtsamkeitsgruppe. Ein wunderschönes Buch zu diesem Thema ist „Versöhnung mit dem inneren Kind“ von Thich Nhat Hanh.

  1. Wasser – Nieren/Blase – Angst, Schock, Trauma

Ist dir schon mal etwas „an die Nieren gegangen“? In unserer Alltagssprache bedeutet das, dass uns etwas wirklich tief getroffen hat. In der TCM beherbergt die Niere unsere wertvolle Lebensessenz, das Jing, das unsere Entwicklung durchs ganze Leben steuert, vom Wachstum über die Fortpflanzung bis zum Altern. Und sie ist die „Wurzel von allem Yin und Yang im Körper“, das passt also zur Tiefe. Angst, Schock und Trauma schwächen nach TCM unsere Nieren und ihr Partnerorgan Blase.

Eine interessante Phrase ist „sich vor Angst in die Hosen machen“. Genau das ist die Wirkung von Angst nach TCM: Sie leitet das Qi nach unten. Und wenn wir von einem Schock über Nacht weiße Haare bekommen, hat auch das mit den Nieren zu tun, sie sind nämlich für unsere Haare zuständig. Ja, die TCM zeigt uns viele interessante Zusammenhänge zwischen Symptomen und Organen, auf die man sonst nicht so leicht kommt!

Typische Symptome einer geschwächten Nierenenergie sind Knie- und Rückenprobleme, besonders in der Lendenwirbelsäule, nächtliches Harnlassen, Inkontinenz, Schlafstörungen, innere Unruhe, innere Kälte und kalte Füße (Nieren-Yang-Mangel) oder Hitzewallungen und Nachtschweiß (Nieren-Yin-Mangel), Probleme mit der Schilddrüse, Schwerhörigkeit und Tinnitus mit tiefem Geräusch.

Du kannst deine Nieren mit der Ernährung unterstützen: Iss mehr mineralstoffreiches Getreide wie Haferflocken, Hirse, Quinoa oder Vollkornreis, außerdem stärken dunkle Nahrungsmittel die Nieren, wie schwarzer Sesam, Algen, Mohn, Trockenfrüchte, Misopaste. Gut sind auch Hülsenfrüchte, aber nur, wenn du sie ohne Probleme verdauen kannst, sowie Samen und Kerne.

Sehr wichtig für die Nieren sind ausreichender und regelmäßiger Schlaf und ein guter Rhythmus zwischen Erholung und Anspannung, regelmäßige Essenszeiten und Pausen untertags sowie mäßige, freudvolle Bewegung.

Auch hier gilt wie bei den anderen Emotionen: Wenn die Angst dein Leben stark beeinflusst und dich belastet, suche dir bitte Unterstützung, um besser damit leben zu lernen.

Klicke hier zum Video „Die 5 Emotionen nach TCM und wie sie deine Gesundheit beeinflussen“ für mehr Tipps.

 

Katharina Ziegelbauer hilft Menschen, ihre typgerechte Ernährung nach TCM zu finden. Sie bieten Onlinekurse und Online-Workshops zur Ernährung an und ist Autorin mehrerer Bücher.
Hier findest du ihren Blog mit vielen Rezepten und Ernährungstipps nach der Traditionellen Chinesischen Medizin.

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