Das Flugzeugunglück und das Tabuthema Tod. Tipps für den Umgang mit Angst und Trauer

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Der Schock über den Flugzeugabsturz in den Französischen Alpen sitzt uns allen noch in den Knochen. Wir empfinden Mitgefühl für diejenigen, die ihr Leben viel zu früh verlassen mussten.

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Ohne sich darauf einstellen zu können, ohne die Möglichkeit des Abschieds und vielleicht ohne zumindest die größten Träume verwirklicht zu haben.
Wir empfinden Mitgefühl für die Hinterbliebenen, die vermutlich noch lange nicht in der Lage sein werden, das eigene Leben wieder zu lieben.
Wir werden aber auch schmerzhaft an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert. Auch uns könnte es so ergehen. Morgen schon könnte es zu Ende sein.

Tagein tagaus versuchen die meisten von uns nach Kräften, ihr Leben zu kontrollieren und zu planen. In den kleinen Dingen mag es auch bisweilen gelingen.
Aber über die wirklich großen entscheidet immer noch das Leben selbst.
Oder Gott, wenn du so willst.

In meinem Leben war der Tod immer präsent.

Durch meinen angeborenen Herzfehler war ich ein schwaches Kind, als Kleinkind wurde ich bewusstlos kurz vor dem Ertrinken aus einem See gerettet.

Mit etwa zehn Jahren verbrachte ich die gesamten Sommerferien wie immer bei meiner Oma in Salzburg.

Im Nachbarhaus verbrachte Susanne bei ihrer Oma die Ferien. Ich kannte wohl ihre Großmutter, aber Susanne hatte ich noch nie gesehen, denn mit unseren Eltern lebten wir beide ein gutes Stück weit entfernt.
Sie war nur ein Jahr älter als ich und wir verstanden uns auf Anhieb. Fast zwei Monate verbrachten wir von morgens bis abends gemeinsam. Es verband uns irgendwie mehr als eine normale Freundschaft, obwohl wir uns nur so kurz kannten. Auch auf der körperlichen Ebene, denn sie hatte wie ich einen Herzfehler, war dadurch aber stärker beeinträchtigt.
Außerdem konnte sie ihren linken Arm nicht richtig einsetzen. Doch sie ließ sich davon nicht bremsen, sie war unglaublich lebhaft und lustig.

Schon bald erzählte sie mir, dass im Herbst eine große Operation auf sie wartete und dass sie sich davor fürchtete. Auch wenn sie dabei lächelte, spürte ich, dass da eine wirklich große Angst war. Immer mal wieder wurde sie beim Spielen zwischendurch ganz ruhig, bevor sie sich wieder fasste und tat, als wäre nichts gewesen.

Es war ein wunderschöner Sommer mit Susanne.

Als ich zu Weihnachten meine Oma wieder besuchte, erzählte sie mir, dass Susanne aus ihrer Op nicht mehr aufgewacht war.
Ich kann nicht wirklich beschreiben, was es mit mir machte. Sie war kein Familienmitglied und kein Mensch, der mich über lange Zeit begleitet hatte.
Aber zum ersten Mal in meinem Leben war da dieses:

„Oh mein Gott, ich habe auch einen Herzfehler. Kann mir das genauso passieren? Wie alt darf ich noch werden?“

Nie zuvor war jemand gestorben den ich richtig gut gekannt hatte und der noch dazu in meinem Alter und mir irgendwie ähnlich war.
Außerdem waren da noch viele andere Gefühle, wie zum Beispiel ein tiefes Schuldgefühl, weil ich die ganze Zeit seit den Sommerferien noch nicht einmal an sie gedacht hatte. Und weil ich es nicht wirklich ernst genommen hatte, als sie immer wieder ihre Angst vor der Op angesprochen hatte. Ich hatte nur gesagt:

„Du brauchst dich doch nicht fürchten.“

Später habe ich wie jeder andere auch Angehörige verloren und über alles geliebte Tiere, noch viel später als Tierärztin Tiere eingeschläfert und deren Besitzer getröstet.

Mit 19 begann meine Herzerkrankung und bis Anfang 30 war die Angst vor dem Tod mein ständiger Begleiter.

Mittlerweile sind unter meinen Klienten einige, die sich mit der Möglichkeit ihres eigenen Todes auseinandersetzen müssen oder unter Lebensängsten leiden.
Oder aber solche, die den Tod ihrer Liebsten verkraften müssen.

Ich musste für mich und für andere also einen Weg finden, konstruktiv mit diesem Thema umzugehen.

Es ließ sich einfach nicht verdrängen und ich bin mir mittlerweile auch ziemlich sicher, dass das gar nicht sinnvoll ist.

Yin Yang

Wie uns das Yin Yang Symbol zeigt, hat alles zwei Seiten.
Alles, was in unserer Welt existiert ist halb schwarz, halb weiß.
Es stellt sich stets nur die Frage, welche von beiden ich wahrnehme.
Ohne die eine Seite gäbe es die andere nicht und nur gemeinsam werden sie ein rundes Bild.

Es gäbe kein Leben, wenn es nicht auch den Tod gäbe. Ohne Sterben keine Geburt.

„Ja, aber alles zu seiner Zeit“, höre ich dann oft.

Doch würdest du wirklich entscheiden wollen, wann es für dich oder für andere zu Ende sein soll?

Könntest du diese Verantwortung tragen?

Mit unserem Verstand können wir nur einen verschwindend kleinen Teil der Realität wahrnehmen.
Wir können nicht wissen, ob eine Seele ihre Aufgaben bereits erledigt hat, oder woanders schon wieder verabredet ist.

Wäre es wirklich wünschenswert, bis in alle Ewigkeit als die gleiche Person mit diesem Körper verbunden zu sein?

Oder ist es vielmehr eine Gnade, dass wir uns dazwischen zum Ausruhen, Reflektieren und Planen wieder zurückziehen dürfen?
So wie wir auch jede Nacht schlafen gehen und dabei in anderen Welten wandeln.

Ist das Wissen um den Tod nicht eine Einladung, das Leben zu genießen?

Wir tun es viel zu wenig, doch sicher noch weniger wenn wir wüssten, dass es ewig währt.
Der Gedanke daran, dass es irgendwann zu Ende ist und ich es bereuen würde, nicht mein Bestes gegeben zu haben, hat mich schon manches Hindernis überwinden lassen.

Ich glaube fest daran, dass unsere Seele ewig ist.

Daran, dass sie ein Teil Gottes ist und weiß, was sie tut, auch wenn der Verstand es nicht weiß.
Ich glaube daran, dass sie nur geht, wenn sie ihr Einverständnis gegeben hat und wenn es für den riesigen Gesamtzusammenhang so und nur so richtig ist.
Mir gefällt der Gedanke, dass wenn eine Seele vor mir diese Welt verlässt und ich noch hierbleibe, es auf die Dauer des Seelenlebens gesehen womöglich nichts anderes ist, als wenn mein Mann heute Abend ohne mich weggeht. Weil wir uns danach ohnehin wieder treffen und den Weg gemeinsam gehen.
Und 30 Jahre oder 50 vielleicht für meine Seele weniger als unbedeutende fünf Minuten sind.

Ich glaube an diese Dinge. Nicht weil ich sie beweisen kann, sondern einfach nur weil es mir besser geht, wenn ich es tue.

Natürlich sind Trauer und Angst gut und wichtig. Ich bin keinesfalls dafür, Gefühle zu unterdrücken.

Mein Rat an dich, wenn du damit zu tun hast:

  • Gib dem einen Raum.
    Räume deiner Trauer eine gewisse Zeit am Tag ein und gib dich ihr an einem festen Ort hin, den du dir einrichtest und gestaltest.
  • Sprich mit deinen Verstorbenen oder schreibe ihnen. Sie können dich hören, auch wenn du sie nicht hören kannst. Vielleicht kannst du sie aber fühlen.
  • Vergiss aber auch nicht, dem Leben weiter Raum zu geben. Dazu muss man sich manchmal zwingen aber es ist wichtig.
    Es hat einen Grund und einen Sinn, warum du noch hier bist.
  • Versuche zu erspüren was der Verstorbene sich für dich wünschen würde. Würde er wollen dass du das Leben genießt?
    Dann tue es.
    Tue es für ihn oder sie mit.
  • Versuche, die Eigenschaften die du an ihm oder ihr geliebt hast und jetzt vermisst, stärker selbst zu leben. Du ehrst damit das Vermächtnis und entwickelst dich selbst weiter.
  • Auch der Angst kannst du einen Raum geben. Zum Beispiel nimm eine kleine Figur oder ein Plüschtier, das deine Angst für dich verkörpert. Du kannst dann damit reden, es schimpfen, in eine Kiste sperren oder aus dem Zimmer tragen.
  • Lass dich begleiten. Von einer Person der du vertraust, die nicht selbst davon betroffen ist und die fachlich kompetent ist.
    Wenn du herausfinden willst, ob ich vielleicht die richtige Person bin um dir zu helfen, kannst du auf dieser Seite gerne ein Impulsgespräch mit mir oder ein kostenloses Kennenlerngespräch mit meiner Assistentin Ursula Winkler vereinbaren um zu erfahren

Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe und Gute! Alexandra

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4 Kommentare Schreib einen Kommentar

  1. Liebe Alexandra,
    danke, dass du dieses so sensible Thema auf deine wunderbare Art angehst und beschreibst.
    Mir hat der viel zu frühe Tod meiner Mutter neben aller Trauer vor allem eines gebracht, eine tiefe Dankbarkeit für das Leben, zu genießen was ist und viel Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind.
    Ich kann allen, die sich mit dem Thema befassen das Buch „Die Brücke von San Luis Rey“ von Thornton Wilder empfehlen, ein wunderbares, sehr tröstliches Buch. Daraus stammt eines meiner Lieblingszitate: „da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende , der einzige Sinn.“
    Alles Liebe
    Birgit

    • Liebe Birgit,
      danke herzlich für die wertvolle Ergänzung. Das Buch kannte ich noch gar nicht!
      Alles Liebe, Alexandra

      • Liebe Alexandra
        Das hast Du ganz wunderbar geschrieben. Ich freue mich, dass es viele Menschen gibt, die sich aktiv mit dem Tod auseinander setzen. Auch ich habe vor vielen Jahren innerhalb von drei Wochen drei Familienangehörige verloren. Mittlerweile bin ich Reinkarnationstherapeutin und arbeite ehrenamtlich in einem Hospiz. Diese Arbeit ist so wunderschön, auch wenn viele Menschen dort sehr krank sind. Es ist so eine erfüllende Arbeit, den Sterbenden in seinem Abschiedsprozess zu begleiten. Ich kann leider nicht so gut schreiben wie Du. Herzlichen Dank dafür. Liebe Grüsse, Katja

        • Liebe Katja,
          ich danke dir, deine Rückmeldung ehrt mich sehr.
          Ich kann mir vorstellen, dass du ganz viele wunderbare Dinge zu erzählen hättest. Vielleicht musst du ja nur ein bisschen üben?
          Alles Liebe, Alexandra

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